Next Mobility – Vom Pionierprojekt zur politischen Sackgasse?

Passau/Sperrwies, Juni 2025 – Im Sommer 2020 haben wir gemeinsam mit Paul Nutzfahrzeuge und Shell Deutschland GmbH ein wegweisendes Projekt gestartet: Next Mobility – eine Wasserstofflösung für den Schwerlastverkehr, realisiert im Einklang mit der Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung.

In Rekordzeit entstand im Passauer Stadtteil Sperrwies eine Wasserstofftankstelle, ein serienfähiger H2-Lkw wurde von Paul Nutzfahrzeuge konstruiert, und mit Shell wurde ein Pay-per-Use-Modell entwickelt. Bereits im September 2023 konnten wir feierlich eröffnen. Das Besondere: Wir haben nicht nur Fördermittel beantragt – wir haben eigene Mittel investiert und Verantwortung übernommen. Für eine grüne Zukunft. Für Technologieoffenheit. Für die Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs.

Ein System, das funktioniert – und trotzdem ins Stocken gerät

Die Bilanz nach knapp zwei Jahren: 17 H2-Lkw, über 800.000 Kilometer emissionsfrei zurückgelegt, funktionierende Infrastruktur, ein technischer Beweis, dass es funktioniert. Und doch: Während wir liefern, geht der politische Rückwärtsgang los. Förderzusagen werden verzögert oder infrage gestellt, Partner wie Shell ziehen sich zurück, und Hersteller wie Paul müssen die Produktion pausieren.

Die Wasserstoffstrategie von 2020, bekräftigt im Update 2023, wird in der Realität leise demontiert. Projekte wie unseres, die das Henne-Ei-Problem aus eigener Kraft gelöst haben, geraten ins politische Abseits. Während viele Nachzügler inzwischen Insolvenz angemeldet haben, stehen wir noch immer – betriebsbereit – in Wartestellung. Unsere Tankstelle läuft. Die wenigen verbleibenden Fahrzeuge tanken. Aber neue Flottenkunden bleiben ohne politische Flankierung aus.

Mittelstand hält Wort – und wartet auf die Politik

Lorenz und Alexander Maier gemeinsam mit Bernhard Wasner, Geschäftsführer Paul Nutzfahrzeuge GmbH sind sich sicher: „Wir glauben weiter an Wasserstoff – weil wir ihn jeden Tag im Einsatz sehen. Aber wir sind enttäuscht von der politischen Kehrtwende, von der Unzuverlässigkeit bei Rahmenbedingungen, auf die der Mittelstand sich verlassen hat. Für uns zählt noch das gesprochene Wort. Offenheit, Verlässlichkeit, Verantwortung – das ist das Fundament unseres Handelns.“

Vom Leuchtturm zur Wartestellung

Das Projekt „Next Mobility“ war ein Leuchtturm. Jetzt wirkt es wie ausgebremst – nicht durch Technik, nicht durch Wirtschaftlichkeit, sondern durch politische Inkonsequenz. Wir stehen bereit. Die Infrastruktur steht. Die Technik funktioniert. Die Idee lebt. Doch die Entscheidungsträger müssen sich nun fragen lassen: Wollen wir wirklich klimaneutrale Schwerlastmobilität – oder war das alles nur ein politischer Marketingeffekt?

 

Zukunftsausblick

Die Wasserstoffvision ist für uns kein abgeschlossenes Kapitel – im Gegenteil: Wir haben einen Förderbescheid über 2 Millionen Euro für eine Elektrolyse-Anlage am neuen Autobahndreieck Pocking erhalten. Die Idee: regional erzeugten grünen Wasserstoff direkt dort produzieren, wo er gebraucht wird – für den Schwerlastverkehr von morgen.

Doch angesichts der aktuellen Entwicklung stehen wir vor einer schwierigen Frage: Sollen wir erneut nicht nur Fördermittel, sondern auch Millionenbeträge aus eigener Kraft in eine Infrastruktur investieren, der aktuell die politische und wirtschaftliche Perspektive fehlt?

Unsere bisherigen Investitionen in Sperrwies waren mutig, vorausschauend – und richtig. Doch was bringt die modernste Anlage, wenn die politischen Rahmenbedingungen sich wandeln wie der Wind?

Da sind sich Lorenz und Alexander Maier einig: „„Wir sind bereit, erneut zu investieren – aber nicht ins politische Niemandsland. Die Industrie kann nur liefern, wenn die Politik verlässlich bleibt.“

Denn eines ist klar: Solche Großprojekte lassen sich nicht allein auf Hoffnung bauen, sondern brauchen Verlässlichkeit, Weitblick – und politische Kontinuität.